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Aktion und Reaktion, bei der Meditation, wie im Leben

Wenn mir beim Meditieren die Haut juckt … was für ein seltsamer Anfang für einen Blogartikel. 🙂

Oft wenn ich meditiere, juckt mir die Haut. Besonders doll juckt sie im Gesicht. Der Juckreiz wird mit der Zeit immer stärker und stärker und jeder hätte sich jetzt längst gekrazt. Ich denke, nur die wenigsten haben mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn man dem Juckreiz widersteht. Also mal ausprobieren. 🙂

Aber ich sitze ruhig und mit sehr geradem Rücken in der Zen-Haltung und bewege mich nicht. Es geht im Zazen darum nicht auf sofort auf alle Reize zu reagieren. Aufmerksam und achtsam wahrnehmen, ja. Reagieren, nein. Man lässt sich nicht steuern, sondern man selbst steuert. Zen bringt dich vom Reagieren zum Agieren.

Diese Übung mit dem Nicht-Jucken wirkt sich dabei auf alle Lebensbereiche aus. Wenn etwas passiert, richten wir unseren Fokus darauf. Wir lassen uns von diesem Ereignis/Moment gefangennehmen. Und dann wollen wir sofort auf dieses Ereignis einwirken. Ich denke, dass durch Zazen der Blick aus der Ferne trainiert wird. Man kann aus jeder Situation zurücktreten und diese viel neutraler beobachten. Man nimmt die Vogelperspektive ein.

Sehr spannend ist dann die Fast-Gleichzeitigkeit der Perspektiven. Also ich bin dann ständig im Wechsel zwischen Eintauchen in das Ereignis und dem Herauszoomen. Mir ist bewusst, worüber ich gerade nachdenke. Ich befinde mich auf der Meta-Ebene und bin mir über mein Denken bewusst.

So entsteht mit der Zeit immer mehr Autonomie und Selbständigkeit. Man ist nicht mehr der Getriebene und man fühlt sich nicht mehr ohnmächtig. Man lässt viele Sachen einfach geschehen, so wie wenn die Wolken am Himmel vorbeiziehen. Man ist nun ein stillerer Beobachter.

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Ob ich will oder nicht – jeden Tag Zazen

In diesem Jahr habe ich an 43 von 45 Tagen meditiert. Diese zweimal war es einfach unmöglich Zazen zu machen. Einmal weil ich mit den Kindern, die ich ins Bett bringen wollte, eingeschlafen bin. Und einmal ging es mir nicht gut.

Es gab einige Tage an denen ich keine Lust hatte mich auf das Sitzkissen zu setzen, und es dann aber doch tat. Nicht weil ich wollte, sondern weil ich musste. Weil nur derjenige erfolgreich ist, der kurzfristige Stimmungsschwankungen ignoriert und das langfristige Ziel nicht aus den Augen verliert. Diese Sitzungen waren dann sehr unruhig. Doch in den Sitzungen, in denen ich unruhig bin und mich am liebsten ins Bett legen möchte, gerade diese Sitzungen sind wichtig. Ich versuche den Gedanken nur wenig Raum zu geben. Doch gestern hatten mich die Gedanken völlig vereinnahmt, vielleicht auch weil gerade so viel in meinem Leben passiert. Am Ende der Sitzung war mir die Unruhe sehr bewusst, was ich als sehr positiv bewerte. Es werden wieder Sitzungen kommen, in denen nur kurz Gedanken-Blops auftauchen und ich ziemlich leer bin. Leer sein heißt hier nicht leblos, sondern sogar im Gegenteil völlig aufmerksam für meine Umwelt. – So langsam merke ich, dass dieses Meditieren in ein Ritual übergeht, was mich sehr glücklich macht.

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