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Aktion und Reaktion, bei der Meditation, wie im Leben

Wenn mir beim Meditieren die Haut juckt … was für ein seltsamer Anfang für einen Blogartikel. 🙂

Oft wenn ich meditiere, juckt mir die Haut. Besonders doll juckt sie im Gesicht. Der Juckreiz wird mit der Zeit immer stärker und stärker und jeder hätte sich jetzt längst gekrazt. Ich denke, nur die wenigsten haben mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn man dem Juckreiz widersteht. Also mal ausprobieren. 🙂

Aber ich sitze ruhig und mit sehr geradem Rücken in der Zen-Haltung und bewege mich nicht. Es geht im Zazen darum nicht auf sofort auf alle Reize zu reagieren. Aufmerksam und achtsam wahrnehmen, ja. Reagieren, nein. Man lässt sich nicht steuern, sondern man selbst steuert. Zen bringt dich vom Reagieren zum Agieren.

Diese Übung mit dem Nicht-Jucken wirkt sich dabei auf alle Lebensbereiche aus. Wenn etwas passiert, richten wir unseren Fokus darauf. Wir lassen uns von diesem Ereignis/Moment gefangennehmen. Und dann wollen wir sofort auf dieses Ereignis einwirken. Ich denke, dass durch Zazen der Blick aus der Ferne trainiert wird. Man kann aus jeder Situation zurücktreten und diese viel neutraler beobachten. Man nimmt die Vogelperspektive ein.

Sehr spannend ist dann die Fast-Gleichzeitigkeit der Perspektiven. Also ich bin dann ständig im Wechsel zwischen Eintauchen in das Ereignis und dem Herauszoomen. Mir ist bewusst, worüber ich gerade nachdenke. Ich befinde mich auf der Meta-Ebene und bin mir über mein Denken bewusst.

So entsteht mit der Zeit immer mehr Autonomie und Selbständigkeit. Man ist nicht mehr der Getriebene und man fühlt sich nicht mehr ohnmächtig. Man lässt viele Sachen einfach geschehen, so wie wenn die Wolken am Himmel vorbeiziehen. Man ist nun ein stillerer Beobachter.

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Die Vor- und Nachteile von Hochsensibilität

#Vorteile
– haben eine sehr gute Intuition, da sie eine Unmengen von Reizen aufnehmen
– können Lügen sehr gut bemerken
– lernen eigenmotiviert
– Einfühlsamkeit
– Kreativität
– Gewissenhaftigkeit
– Verlässlichkeit
– Gerechtigkeitssinn
– denken in komplexen Zusammenhängen
– Tragen zur Verbesserung des Betriebsklimas bei
– Verlässlichkeit
– Genauigkeit
– tiefgründige Analyse
– Ethik

#Neutral
– kann sehr viel Details aufnehmen, ist dafür aber auch schneller ermüdet
– sehr starker Drang neues Kennenzulernen
– rascher Wechsel der Interessengebiete

#Nachteile
– Reizüberflutung
– Konzentrationsprobleme
– haben durch das gute Hineinfühlen ein großes Harmoniebedürfnis
– stehen oft unter Dauerstress
– Probleme in autoritären Systemen zu funktionieren
– haben große Probleme mit Kaufhäusern
– haben große Probleme in Großraumbüros
– Probleme mit ständiger Geräuschkulisse durch Stimmen, Telefone, Radioberieselung

Wenn euch noch etwas einfällt bitte einen Kommentar schreiben! Danke! 🙂

Hochsensible in der Arbeitswelt

Mein Chef liebt es Kritik auszuteilen. Vielleicht weil er ein Kontrollfreak ist und sicher auch weil er selbst Druck von oben bekommt. Aber dieser Grund ist mir jetzt egal. Ich als hochsensible Persönlichkeit (HSP) nehme die Kritik viel stärker war als andere in meinem Team, die da sagen: „Hier rein, da raus.“ Aber das kann ich nicht. „Hier rein und Dauerschleife“, ist meine Antwort. In einer E-Mail an meinen Chef beschrieb ich meinen Frust darüber. Er meinte, dass er auch mit anderen in meinem Team gesprochen hätte und sie die Kritik nicht (so sehr) belastet. Will er damit sagen, dass ich nicht in dieses Arbeitssystem passe?

Der Stress und Druck in der Arbeitswelt nimmt auch immer weiter zu. Das heißt, dass es im Prinzip nutzlos ist zu flüchten. Ich will mich der Situation stellen. Wenn ich mich weiter anstrenge, nimmt die Kritik um 10% ab und der Stress durch die Arbeit 50% zu. Das kanns auch nicht sein. Wenn ich weniger arbeite, sinkt der Arbeitsstress und die Kritik bleibt ungefähr gleich. Vielleicht wäre das mal ein sinnvoller Weg.

Den Firmen geht es leider auch nicht um das Wohl der Mitarbeiter. Es geht darum mehr Profit zu machen, um die Stake-Holder und (bösen) Aktieninhaber zu befriedigen. Und wenn ein paar dabei umklappen holt man jemanden aus dem riesigen Herr der Reservearmee. Keiner ist an den Individiuen interessiert.

Hartz 4 ist auch kein Ausweg. Das bedingungslose Grundeinkommen hört sich gut an, aber ist es finanzierbar? Dieses System wie es jetzt existiert, kann langfristig nicht funktionieren, mitfristig hingegen leider schon. Erst wenn es immer mehr psychisch Kranke, Diebstähle und Raubbau an der Natur gibt kommt der Wandel. Vieles wird sich wandeln. Jetzt kommt Industrie 4.0. Und dann in ca. zehn Jahren kommen die Roboter. Menschen werden dann in der Arbeitswelt immer weniger gebraucht, können aber hoffentlich doch noch ein erträgliches Leben führen. Wenn sie dafür kämpfen, dann wird das Leben vielleicht sogar eines zum Wohlfühlen.

Ich würde mich sehr über Kommentare freuen!

Erich Fromm über den angepaßten Menschen

Link zum Video

„Die Normalen sind die Kränkesten, und die Kranken sind die Gesündesten.“ so fängt das Video eines Interviews mit Erich Fromm an. Eine steile These. Weiterhin heißt es, dass der der „krank“ ist, in Konflikt mit den Mustern der Kultur kommt. Die „Normalen“ hingegen sind so angepasst, entfremdet und roboterhaft, dass sie keinen Konflikt mehr empfinden und die Symptome der „Kranken“ nicht aufweisen.

Ich zähle mich in gewisser Weise auch zu den Kranken und gleichzeitig aber auch Fühlenden (Stichwort: Hochsensible Persönlichkeit), so wie es Fromm beschreibt. Ich bin sensibel und spürte gerade in der Vergangenheit den Weltschmerz oft zu stark. Das hat sich seit meiner längerfristigen Nachrichtenreduzierung stark gebessert. – Ich finde es einfach sehr interessant, wie radikal Fromm vorgeht, und die Begriffe „krank“ und „normal“ vertauscht.

Ein Leben ohne deprimierende Nachrichtenberieselung

Wenn ich ins Internet gehe, schaue ich zuerst auf verschiedene Nachrichtenseiten. Nach ca. zwanzig Minuten habe ich die geballte Ladung an Krieg, Terror, Mord, Vergewaltigung und anderen Boshaftigkeiten abbekommen. Es stellt sich das Gefühl ein, dass die Welt ein verdammt schlechter Ort ist und man besser gar nicht erst auf die Straße geht. Na klar gibt es viel Schlechtes in dieser Welt. Aber indem ich es mir nach Hause hole, mache ich mir die Welt schlechter als sie ist. Warum lese ich die Nachrichten überhaupt? Um besser zu planen, weil ich Situationen besser einschätzen kann? Um mich selbst vor Unheil zu schützen? Aber die Angst vor dem Unheil auf die Gesamtheit der Menschen bezogen, ist vielleicht schlimmer als das reale Unheil. Ich habe mir überlegt Nachrichtenseiten zu meiden, und lieber meine Kollegen und Freunde zum Weltgeschehen zu befragen. Nach ein paar Wochen Nachrichtenabstinenz werde ich merken, wie gut ich auch ohne Nachrichten leben kann. Ich habe dann mehr Zeit für schöne, interessante Literatur. EDIT: Weniger belastende aber sehr informative Nachrichten kann ich auch im Radio hören. Sehr zu empfehlen ist:

WDR5 – Livestream

Deutschland-Radio – Livestream

Deutschland-Radio – Presseschau-Podcast

EDIT:
Auch im Deutschland-Radio werde ich immer wieder mit schrecklichen Nachrichten konfrontiert. Die Frage ist also, ob ich mir diesen Informationsinput nicht auch anders holen kann? Bisher ist mir nur ein gutes Beispiel eingefallen. Schöne Reportagen aus der Arte-Mediathek. 🙂

Arte-Mediathek

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